Obwohl man mich teils neid-, teils respektvoll "Königin der Instrumente" nennt,
führe ich ein zwar "erhabenes", aber auch zurückgezogenes Dasein im Rücken meiner
Zuhörer, die mich meist nur beim fluchtartigen Verlassen der Kirche eines flüchtigen
Blickes würdigen, oder einen naserümpfenden Blick zu mir heraufwerfen, "wenn ein falsch
Pfeiflein tönt". Dabei hat man mich dankenswerter Weise mit Spenden meiner Zuhörer im
Jahre 1970 restauriert und erweitert. Dies nebenbei. Sollten Sie übrigens näher mit mir
bekannt werden wollen, dürfen Sie nach
dem Gottesdienst gerne zu mir heraufkommen.
Die hohe Kirchenversammlung Vatikanum II. hat über die Schönheit und Notwendigkeit der
sakralen Kunst im allgemeinen und über mich im besonderen Beherzigenswertes gesagt, u.a.:
"Die Pfeifenorgel soll als traditionelles Instrument der Kirche in hohen Ehren gehalten
werden, denn ihr Klang vermag die Herzen mächtig zu Gott und zum Himmel zu erheben".
Sie werden nun glauben, dass mein aufwendiges Königinnen-Dasein (Ich habe damals bei
der Restaurierung rd. 50.000,00 DM gekostet) und meine dienende Aufgabe in der Liturgie,
wo ich mich ohne Stoppuhr, allerdings auch fast ohne Zuhörer, nur beim "Hingehen in
Frieden" uneingeschränkt entfalten kann, dass beides in keinem rechten Verhältnis steht.
Aber die Kirche weiß schon immer, dass für Gott und seinen Dienst gerade das Beste gut
genug ist. Somit wäre auch ich, an Demut und Bescheidenheit gewöhnt, mit dem Ehrentitel
eines traditionellen Musikinstruments vollauf zufrieden.
Einiges aus meiner Geschichte möchte ich Ihnen noch erzählen: Im Jahre 1723 wurde ich
auf Veranlassung der Priorin Elisabeth von Greiffenklau, Schwester des Würzburger
Fürstbischofs Johann Philipp von Greiffenklau, durch den Würzburger Orgelbauer
Johannes Hoffmann errichtet und in der Kirche des Klosters Marienberg aufgestellt.
Die ursprüngliche Disposition ist durch Orgelbauer Hünd aus dem Jahre 1857 überliefert,
der die ersten Veränderungen an mir vornahm. Laut Rechnungsunterlagen wurde ich im Jahre
1903 von der kath. Pfarrgemeinde Salzig gekauft und durch Orgelbauer Chr. Gerhardt in
unserer Pfarrkirche aufgestellt. Zu diesem Zeitpunkt stand ich in der Karmeliter Kirche
in Boppard, wo ich gemäß Verfügung der franz. Domänenverwaltung nach der Säkularisation
hingekommen war.
Nach meiner Restaurierung und Erweiterung durch das Orgelbauwerk Gebr.
Oberlinger in Windesheim, zähle ich nun 1046 Pfeifen, verteilt auf 21 Register. Zu
meiner besonderen Freude wurde der alte historische Pfeifenbestand verwendet und auch
mein Barockgehäuse blieb erhalten. So lasse ich heutzutage sowohl alte als auch neue
Kompositionen erklingen. Ich trage sogar Zwölftonreihen und dissonierende Akkorde,
auch wenn meinen Zuhörern diese Klänge verworren und sinnlos erscheinen mögen.