Mit Sicherheit dürfen wir annehmen, dass schon in der Römerzeit
das Christentum in der Nachbarstadt Boppard Eingang gefunden hat.
Von hier aus verbreitete sich die neue Lehre auf die Siedlungen in
der Umgebung, also auch nach Salzig und Weiler.
Wann in Salzig und Weiler die ersten Kapellen erbaut wurden, ist
nicht festzustellen. 991 soll Kaiser Otto III. dem Wormser Domstift St. Martin
die Kirche zu Boppard mit den zugehörigen Kapellen geschenkt haben, auch die
Kapelle in Salzig (?).
Die in dem um 1290 entstandenen "Liber Donationum" stehende
Weinbergsbezeichnung "retro capellam St. Ägidii" (hinter der Ägidiuskapelle) beweist erstmals ein
Salziger Gotteshaus.
Patron der Salziger Kirche war von jeher der bäuerliche Nothelfer
Ägidius.
Die Salziger Kapelle wird erstmals in den Bestätigungsurkunden des Zehnten
durch Erzbischof Heinrich von Trier am 12.6.1275 und durch König Adolf von Nassau
am 7.1.1294 erwähnt.
Von dem späteren Neubau stehen heute noch das Chor (14. Jh.) und der Glockenturm
(15. Jh.). 1471 wurde die älteste Salziger Glocke, die Marienglocke, gegossen.
Am 25. März 1563 folgte die Genehmigung zur Errichtung einer Taufkapelle
in Salzig. Kurze Zeit danach folgte die Erhebung zur selbständigen Pfarrei.
Als Zeichen des religiösen Sinnes der alten Salziger können die Wallfahrten
gewertet werden. Enge Verbindung unterhält die Pfarrei seit ihrer
Gründung mit der gegenüberliegenden Gnadenstätte Bornhofen.
Die Nothgottes-Prozession geht auf ein im Jahre 1689 gemachtes Gelübde zurück.
Die Salziger versprachen zum Dank für die Errettung aus Feuersbrünsten eine jährliche
Prozession zur Gnadenstätte in den Rheingau. Bis zur Aufhebung des dortigen Klosters
machten sie alljährlich auf der rechten Rheinseite den beschwerlichen Fußmarsch
nach dort.
1994 wurde die Fußwallfahrt nach Nothgottes mit reger Beteiligung wieder aufgenommen.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts kam in Salzig die Wallfahrt zur Schwarzen
Muttergottes in Windhausen, Pfarrei Herschwiesen, auf. Die Pilger ziehen
in einem ca. 3 Stunden dauernden Fußmarsch zur Kapelle und tragen der
Gottesmutter ihre Anliegen vor. Seit einigen Jahren wird dieser Tag als
"Familienwallfahrt" gestaltet. Nach dem Dank- und Bittgottesdienst
in der Gnadenkapelle schließt sich auf dem Grillplatz der Gemeinde Windhausen
ein fröhlicher Familiennachmittag an.
Auffällig groß ist die Zahl von Umgängen im Ortsbereich. Besonders feierlich
wird die Fronleichnamprozession gestaltet. Auch die festliche Prozession an
Christi Himmelfahrt geht auf eine alte Tradition zurück. Außer den Bittgängen
am Markustag und an den drei Bittagen wird am Karfreitag eine Prozession zu
den Straßenkreuzen in der Gemeinde durchgeführt.
Doch zurück zur eigentlichen Geschichte der Pfarrei.
Die Salziger Pfarrkirche war zu einer Zeit erbaut worden, als die Dörfer Salzig
und Weiler zusammen kaum mehr als 300 Einwohner hatten. Im Jahre 1788 war die
Zahl auf 798, 1825 auf rd. 1.100 Personen angewachsen. Der etwa 1702 vorgenommene
Kirchenanbau wurde 1825 nochmals vergrößert. In dieser Zeit kam auch der barocke
Hochaltar vom 1802 aufgehobenen Kloster Marienberg nach Salzig. 1868 war die
Zahl der Pfarrangehörigen auf 1.684 gestiegen. Ein großer Teil der Gläubigen musste bei
Wind und Wetter außerhalb der Kirche dem Gottesdienst beiwohnen.
Dem tatkräftigen Pfarrer Nick blieb es vorbehalten, diese unhaltbaren Zustände
durch einen großzügigen Erweiterungsbau zu ändern. Am 27.1.1899 wurden
die ersten Spatenstiche zu dem Bau getan. Ein großen Unheil ereignete sich am
letzten Septembersamstag 1899, als eine neuerrichtete Säule in sich zusammensank
und die schon hochgeführte Westwand einstürzen liess. Vier Maurer wurden teils
schwer verletzt. Am 11. Aug. 1901 war der Bau vollendet, der etwa 83.000 Mark gekostet
hatte. Bischof Korum nahm am 24. April 1904 die Kirchenkonsekration
vor.
1935 entsprach der Bischof der vielfach vorgetragenen Bitte und richtete eine
Kaplanstelle ein. Bis 1966 standen zehn Kapläne dem Pfarrer zur Seite, bis der
Priestermangel den Bischof zwang, der Pfarrei den Kaplan wieder zu nehmen.
Am 1. Mai 2001 trat der letzte Pfarrer unserer Gemeinde, Herr Pastor Bruno
Hoss, in den Ruhestand. Fortan bildet die Pfarrei St. Ägidius Bad Salzig mit
den Pfarreien St. Severus Boppard und St. Bartholomäus Hirzenach
eine Seelsorgeeinheit.
Der Kirchengesang wird im sangesfrohen Salzig schon immer gepflegt. Der Kirchenchor
St. Ägidius konnte 1996 sein 225-jähriges Jubiläum feiern.
Zum Leben der Pfarrei gehören die Ordensschwestern. 1908 übernahmen
drei Mitglieder des Ordens der Schwestern vom Hl. Geist die ambulante Betreuung
der Kranken. Im "Haus Helvetia" boten die Schönstätter Marienschwestern bis 1963
kinderreichen Müttern Erholung an. An ihre Stelle traten die Oblatinnen vom
hl. Franz von Sales. Heute leben dort die "Weißen Schwestern".
In 2004 beging die Gemeinde die 100-jährige Kirchweih der heutigen Pfarrkirche.
| 1. |
Der Altbau
(aus: Die Kunstdenkmäler von Rheinland-Pfalz, Stadt Boppard, Rhein-Hunsrück-Kreis, Teil 2.1 II. v. 1988) |
| 2. |
Der Neubau bzw. die Vergrößerung der Salziger Kirche
(aus der Schulchronik von Johann Goepel, Hauptlehrer in Salzig) |
| 3. |
Ein trauriges Ereignis im Jahre 1899 (Bopparder Zeitung vom 3.10.1899) |
| 4. |
Der Salziger Kircheneinsturz vor der Coblenzer Strafkammer (Bopparder Zeitung April 1900) |
| 5. |
Pfarrer Johann Nick (von Heinrich Stein) |
| 6. |
Bruderschaften (von Hans Peter Bock) |
| 7. |
Kircheneinweihung 1904 (St. Goarer Zeitung, Schulchronik Bad Salzig) |
| 8. |
Der Neubau (aus: Die Kunstdenkmäler von Rheinland-Pfalz, Stadt Boppard, Rhein-Hunsrück-Kreis, Teil 2.1 II. v. 1988) |
| 9. |
Glockenabnahme 1942 (aus dem Pfarrarchiv zusammengestellt von Hans Peter Bock) |
| 10. |
Glockenweihe 1965 (aus dem Pfarrarchiv und privaten Aufzeichnungen des Herrn Josef Bach zusammengestellt von Hans Peter Bock) |
| 11. |
Das Patronatsfest in früheren Tagen (Schulaufsatz eines unbekannten Schülers aus dem Jahre 1912) |
| 12. |
Altarweihe 1968 (aus dem Pfarrarchiv und div. Ägidiusblättern zusammengestellt von Hans Peter Bock) |
| 13. |
Filiale Weiler und die St. Anna-Kapelle Fleckertshöhe (zusammengestellt von Hans Peter Bock) |
| 14. |
Die Orgel in der Pfarrkirche St. Ägidius (von W. Schröder) |
| 15. |
35 Jahre Friedenskreuz über Bad Salzig (von Hans Peter Bock) |
| 16. |
Die Bad Salziger Ölberggruppe (von Hans Peter Bock) |
| 17. |
100 Jahre Pfarrhaus (von Hans Peter Bock) |
| 18. |
Das Heiligenhäuschen am Rhein (von Hans Peter Bock) |
| 19. |
Der Kirchenschweizer (von Hans Peter Bock) |
| 20. |
70 Jahre Ev. Kapelle in Bad Salzig (von Hans Peter Bock) |
| 21. |
Das Heiligenhäuschen auf dem Dünchen (von Hans Peter Bock) |
| 22. |
Wegkreuz wieder in der Binger Straße (von Hans Peter Bock) |
| 23. |
Das ehemalige Heiligenhäuschen an der Weilerer Kirche (von Hans Peter Bock) |
| 24. |
Gründung und Auflösung des Schiffervereins "St. Nikolaus" Bad Salzig (von Hans Peter Bock) |
| 25. |
Bopparder bitten in Salzig (von Hans Peter Bock) |
| 26. |
Wallfahrt zur Schwarzen Muttergottes in Windhausen (von Hans Peter Bock) |
| 27. |
40 Jahre Sternsinger in Bad Salzig (von Hans Peter Bock) |
| 28. |
Das Doppelkreuz über dem "Alten Chor" der St. Ägidiuskirche (von Hans Peter Bock) |
| 29. |
Aus dem ältesten Stiftungsbuch der Bopparder Pfarrkirche (von Hans Peter Bock) |
| 30. |
Die Filiale Salzig in der französischen Zeit im Rhein-Mosel-Departement des Bistum Aachen (von Hans Peter Bock) |
| 31. |
Nothgottes - ein Versprechen der Gemeinde aus dem Jahr 1689 (von Hans Peter Bock) |
| 32. |
40 Jahre Bildstock am Hüttenweg (von Hans Peter Bock) |
| 33. |
100 Jahre Haus Helvetia (von Hans Peter Bock) |
| 34. |
Die Seelenzahlen in Bad Salzig und Weiler (von Hans Peter Bock) |
| 35. |
Wandmalerei in der Filialkirche "St. Peter in den Ketten" Weiler (von Hans Peter Bock) |
| 36. |
Salzig im Landkapitel Boppard (von Hans Peter Bock) |